Vom Mami werden

Herrjeee, die vergangenen Tage hatte auch mich die Grippe eingeholt. Die Kiddos konnten glücklicherweise zu den Grosseltern und ich konnte einen ganzen Tag (einen ganzen Tag!!!) im Bett liegen bleiben. Wie tat das gut. Schlafen, Tee trinken, lesen, schlafen, die Ruhe geniessen (ok, erst wollte ich den Berg Kleiderwäsche doch zusammenlegen und hab mich dann kurzerhand wieder ins Bett verkrochen). Ja, das Mami-sein verändert auch das krank sein.

Vor kurzem bekam ich von einer lieben Leserin eine E-mail. Sie erzählte mir, dass sie soeben Mami von einer Tochter wurde. Es berührte mich, dass sie mich an ihrem Leben teilhaben liess, mir erzählte wie es ihr nach der Geburt geht. Was sie empfindet, wie sie fühlt und was sich alles verändert. Es ist ihr erstes Kind und sie fragte mich wie ich das Mami-werden damals erlebte und ob ich ein paar Tipps hätte, was mich sehr freute. 

Allerdings muss ich dazu ehrlich sagen, dass ich Ratschläge und Tipps unter Mamis wie soll ich sagen... je nach dem schwierig finde.

Ich finde das Mami-sein etwas sehr Individuelles und deshalb möchte ich den folgenden Blog-Post überhaupt nicht als Massstab vom Mami-sein weitergeben. Vielmehr aber als Bereicherung und vielleicht auch Erleichterung, denn bei gewissen Punkten, wäre ich dankbar gewesen, hätte sie mir jemand so weitergegeben.

Ok, ich beginne...

Mit den vielen Geschenken, die man zur Geburt geschenkt bekommt, kommen auch zig lieb gemeinte Ratschläge und Tipps. Wie gesagt ich finde die Veränderung vom Frau-sein (was man ja bleibt) hin zum Mami-sein sehr individuell. Es ist der eigene Charakter, die Werte, die Vorstellungen, die Prägung und natürlich auch die Beziehung zum Partner, die da eine wichtige Rolle mitspielen. Und hinzu kommen die Hormon-Veränderungen, welche ihrer Unberechenbarkeit nicht zu unterschätzen sind. Und jede von uns Frauen erlebt all dies ganz unterschiedlich, weil jede Frau eine eigene Geschichte und Ausgangslage mit sich bringt.

Ich kann mich noch zu gut an die Zeit nach Lou's Geburt zurückerinnern. Die Geburt war schwierig, was vieles nach sich zog. Leider war für mich die erste Zeit alles andere als schön und süss. Bei Ilay war meine Angst gross, dass es mir nach der Geburt wieder so schlecht ergehen würde. Ich erlebte es zum Glück total verschieden. Oft verstand ich im Nachhinein nicht wieso es mir bei Lou so schlecht gehen musste und heute kann ich sagen, dass es mich um einen grossen Erfahrungsschatz bereicherte und ich die nachfolgenden sieben «Tipps» wohl ohne diese beider Erfahrungen so nicht weitergeben könnte:

 

1. Der Auftakt machts aus
Der Auftakt nach der Geburt macht das sogenannte Wochenbett. Als ich das erste Mal von meiner Hebamme hörte, dass das Wochenbett tatsächlich SECHS WOCHEN dauert, staunte ich nicht schlecht. Das heisst jetzt nicht, dass man sechs Wochen im Bett bleiben muss (kann man teils ja auch nicht, wenn schon Kiddos da sind). Aber es bedeutet in etwa: 

1. Woche >>> im Bett 
2. Woche >>> auf dem Bett 
3. Woche >>> ums Bett 
4. Woche >>> in der nähe des Bettes 
5. und 6. Woche >>> ab und zu ab ins Bett ;)

Ich habe bei beiden Kiddos mich plüs-u-muä versucht daran zu halten und ich kann dir sagen: Es lohnt sich! Es sind bisschen wie Babyflitterwochen. Man lernt sich kennen, erholt sich, tut sich Gutes und das alles ohne schlechtes Gewissen. Weil ich nach diesen sechs Wochen wieder fit bin, habe ich vereinte Kräfte alles Liegengebliebene anzupacken, bin motivierter, weil ich körperlich erholt bin. So habe ich als Mäni wieder zur Arbeit ging, meine lieben Freundinnen ins Babyflitterwochen-Boot geholt und sie haben mich besonders in der Woche, als Mäni wieder zur Arbeit ging, unterstützt.

2. Hilfe und Unterstützung annehmen
Sie haben mir Wäsche gewaschen, auf Lou aufgepasst und sogar die Küchenabdeckungen geschrubbt. Es klingt verrückt, aber ja mich hatten diese doofen aber eben schmutzigen Küchenschränkchen damals dermassen gestresst (hallo Hormone!!!), dass es einfach sein musste. Meine liebe Nachbarin kochte mir bei Lou jeweils das Mittagessen und brachte es mir wie im Restaurant schön garniert rüber - wie habe ich das geschätzt! Aber auch von meinen Eltern und Schwiegereltern und meinem nächsten Umfeld kam so viel Unterstützung! Es war für mich zu Beginn nicht einfach diese dargebotene Hilfe anzunehmen, aber es hat mir schlussendlich so geholfen mich zu erholen und wieder voll im Dby-Element zu sein.


3. Auf die eigene Intuition hören
Zu Beginn war ich bei Lou sehr unsicher. In vielen Dingen. Zu fest spähte ich nach links und rechts und konnte mich doch nie wieder finden, weil ja niemand genau so ist wie ich. Ich musste lernen auf meine Intuition zu hören. Wir Frauen haben die Gabe des Beobachtens in die Wiege gelegt bekommen. Beobachten ist gut und recht meist ist die Gefahr aber gross, sich dann doch zu vergleichen. So mied ich eine Zeit lang Spielplätze. Ich musste erst mich selbst finden und mein Mami-sein definieren. Ich finde aber auch, dass es wichtig ist, gerade dort wo man unsicher ist, dass man sich bei denjenigen Tipps holt, wo man weiss, dass man ähnlich tickt. Noch heute kann ich mich an eine Sprachnachricht von einem Mami mit bereits drei älteren Kindern erinnern, wie sie mich ermutigte und sagte, dass es besser wird mit der Intensität und der Dauerpräsenz - und es ist wahrhaftig so :). 

4. Die eigenen Bedürfnisse
Bei Lou erlebte ich die Veränderung vom Mami-werden wie ein Wasserfall. Da prasselts Niederschläge an Erwartungen von Aussen, aber auch Erwartungen, die man an sich selber stellt. Die Rolle als Mami, immer noch Frau, immer noch Freundin und doch immer-noch-ich zu finden und zu leben wird mit den eigenen Bedürfnissen und den Erwartungen von aussen mehr als durchgeschüttelt. Es bedeutet loszulassen, einige Leute vielleicht auch zu enttäuschen, aber vor allem zu erkennen, welche Bedürfnisse und Werte einem wichtig sind und nach diesen zu leben.


5. Die Nachsicht mit sich selber
Kein Mensch ist perfekt. Auch unsere Mamis und Papis haben Fehler gemacht. Hinzu kommen die Stimmungsschwankungen vom Hormoncocktail. Es ist wirklich wie bei einem alkoholhaltigen Cocktail - plötzlich fährt der Zucker ein. Plötzlich können Tränen laufen. Plötzlich stellen sich Gefühle ein, die man sich so nicht erklären kann. Ich lernte und lerne noch immer nachsichtig mit mir selber zu sein und dort wo Fehler geschehen, dass ich mich hinstellen kann und sagen kann «es tut mir leid».

6. Sich Freiheiten gönnen
Als es mir bei Lou schlecht ging, riet mir die Frauenärztin das Baby mehrmals pro Woche «wegzugeben» um möglichst rasch wieder zu mir zurückzufinden. Was für eine Rabenmutter ich doch nur bin, dachte ich mir, aber es half. Mit den gewonnenen Freiheiten, die ich mir auch heute hin und wieder gönne, fördere ich meine Begabungen - mein ich - was mich schlussendlich stärkt und meinem Selbstwert gut tut.

7. Die eigene Familienkultur
Oh yess und ein Hoch auf sie. Endlich ist sie da, die gewünschte Familie und sie selbst so zu leben, wie man es sich früher als Kind beim «Müetterle und Väterle» ausgemalt hat, ist das Schönste. Die eigene Familienkultur aufzubauen, bedeutet für uns Werte, auf die wir setzen, bewusst zu verankern und zu leben, welche für uns wichtig sind. Und es zu geniessen und Spass zu haben. Seit die Kiddos in meinem Leben sind, erinnere ich mich des öfteren an meine eigene Kindheit zurück. Und hin und wieder fägt es eben auch hemmungslos und so richtig selbst wieder Kind zu sein. 


So liege ich weiter und kuriere mich noch vollständig aus um bald wieder mit den Kiddos auf Bäume zu klettern, Schlittel- oder Sonnenberge zu erklimmen und durch Wasserfälle zu springen.

 

 

 



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