Liegen

liegen

Vor ungefähr einem halben Jahr entschieden Mäni und ich ein zweites Baby-Bäumchen haben zu wollen. Dankbar darüber, dass wir so rasch beschenkt wurden und es klappen durfte, ging ich davon aus, dass ich wüsste, was in der Schwangerschaft alles auf mich zu käme - verlief die erste Schwangerschaft doch so reibungslos. Weit gefehlt!

In der 26. Woche bekam ich von einem Tag auf den andern strikte Liegeverordnung verschrieben um eine Frühgeburt zu verhindern. Liegen. Tag und Nacht. Mir wurde damit jegliches Freiheitsgefühl genommen. Natürlich war für mich klar und im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend, dass ich alles tue damit dieses Baby noch nicht zur Welt kommt. Ich bin nun in der 34. Woche – immer noch liegend.

Dieses ewige „Rumliegen“ gehört zu einer der herausforderndsten Zeiten in meinem Leben.

Es gehört zu den Erfahrungen in meinem Leben, die ich erst selbst durchmachen musste um zu verstehen, was sie bedeutet.

Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, stelle ich fest, dass diese „Musst-du-selbst-erfahren-haben“-Erfahrungen nicht das erste Mal in meinem Leben geschahen. Ich denke an die Zeit zurück, als ich als Studentin an der Ikea-Kasse arbeitete. „easy chli ga schäfferle“ dachte ich damals. Das Piepsen des Einlesegerätes verfolgte mich sogar in der Nacht. Heute ziehe ich den Hut vor jeder und jedem Migi-/Coop-/Denner-/etc. Kassierer/in. Ich bin dankbar für diese Erfahrung. Sie lernte mich den Respekt gegenüber meinen Mitmenschen.

In der Zwischenzeit darf ich zum Glück sagen, dass auch diese Liege-Erfahrung mein Leben bereichert hat. Ich durfte vieles über mich lernen. Wer oder was bin ich? Worüber identifiziere mich? Fühle ich mich nur als Dby, wenn ich all meine hundertuusig Projektlis ausübe? NEIN und teils JA (muss ich leider eingestehen) und ich bin froh, dass ich das unbedingt noch lernen darf, soll, muss und auch will.

Glücklicherweise hatte ich auch liegend viele kreative Schübe, Ideen, neue Projekte, und Konzepte (u.a. das ins Leben rufen dieses Blogs). Und aber auch ganz bewusst an Personen zu denken, denen es NICHT-Liegend viel mieser geht als mir.

Ich bin dankbar was ich in dieser Liegezeit alles erlebte – ja genau ERLEBTE trotz liegend auf Sofa! Ich bin so dankbar für all meine Freunde und meine Familie, die mich und uns so unterstützt haben - für die vielen Blumen, Überraschungspakete und den kleinen Aufmerksamkeiten. Das Auf-Lou-Aufpassen, das Wäschezusammenlegen und das Putzen-Kommen unseres Hüslis und vieles vieles mehr! DANKE!!!

Fazit: Jede Erfahrung geht schlussendlich mit der eigenen Einstellung einher. Aber genau das ist manchmal schwer.



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